Nicaragua: Freilassungen politischer Häftlinge und zeitgleich neue Festnahmen | amerika21 Katharina Hempfing 12.1.2026
Anlass für neue Festnahmen sollen Äußerungen zur Entführung von Maduro gewesen sein. Eine unabhängige Bestätigung fehlt
Managua. Die Regierung Nicaraguas hat am 10. Januar 2026 die Freilassung „mehrerer Dutzend Gefangener“ bekanntgegeben, während Menschenrechtsorganisationen nahezu zeitgleich eine Serie neuer Festnahmen meldeten. Nach deren Angaben wurden mindestens 60 Menschen festgenommen, nachdem sie sich zu Berichten über die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro positiv geäußert hatten. Über diese Festnahmen liegt keine unabhängige Bestätigung vor. Laut der Menschenrechtsorganisation Monitoreo Azul y Blanco seien die Betroffenen wegen „Kommentaren in sozialen Medien, privaten Feiern oder der Weigerung, offizielle Propaganda zu verbreiten“ verhaftet worden, berichtet die Deutsche Welle.
Nach offiziellen Angaben erfolgten die Freilassungen anlässlich des 19. Jahrestages der Regierungsübernahme von Präsident Daniel Ortega. Die Betroffenen seien aus verschiedenen Haftanstalten entlassen und zu ihren Familien zurückgebracht worden.
Medien und Menschenrechtsorganisationen berichteten jedoch, dass sich unter den Freigelassenen auch mindestens 20 Personen befänden, die als politische Häftlinge eingestuft werden. Die Freilassungen erfolgten einen Tag, nachdem die lokale Botschaft der Vereinigten Staaten öffentlich die Entlassung politischer Gefangener in Nicaragua gefordert hatte. In diesem Zusammenhang verwiesen US-Vertreter:innen auch auf die Freilassung politischer Gefangener in Venezuela.
Nach Druck aus den USA – Regierung in Nicaragua lässt Dutzende Gefangene frei (Deutschlandfunk 11.1.2026)
Die Angst vor der Ortega-Murillo-Diktatur Haydee Castillo zur Freilassung der Gefangenen. Confidencial 13.1.2026
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Einige gehen, andere werden verhaftet: Die Liste der politischen Gefangenen in Nicaragua wächst weiter
Confidencial 18.1.2026 Die Drehtür politischer Gefangener hält in Nicaragua weiterhin an
Etwa 87 politische Gefangene befinden sich weiterhin im Gefängnis. Am 10. Januar wurden 24 freigelassen, aber wenige Tage zuvor wurden 60 verhaftet, und Überwachung und Repression gehen weiter

Die Liste der politischen Gefangenen in Nicaragua wird nicht kleiner. Obwohl die Diktatur von Daniel Ortega und Rosario Murillo die Freilassung einer kleinen Gruppe angekündigt hat, meldeten Menschenrechtsorganisationen neue Festnahmen aus politischen Gründen, was zeigt, dass die Repression in verschiedenen Teilen des Landes andauert und die Liste der politischen Gefangenen nie leer ist.
Am 10. Januar 2026 gewährte das Regime 30 Nicaraguanern den Vorteil der „familiären Koexistenz“ und argumentierte auf die Würdigung ihrer 19-jährigen Amtszeit. Das Blue and White Monitoring sammelt Beschwerden über Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua mit Informationen von Familien und bestätigt nach deren Freilassung 24 der 62 politischen Gefangenen, die sie bis Dezember 2025 registriert hatten.
Tage vor der Freilassung, nach der Festnahme von Nicolás Maduro in Venezuela, ordnete Rosario Murillo jedoch einen „Alarmzustand“ an und verstärkte die Überwachung in Stadtteilen und sozialen Netzwerken. Infolgedessen wurde eine Gruppe von 60 Nicaraguanern festgenommen, meist ohne offizielle Informationen über Anklagen oder gerichtliche Verfahren. Von diesen befinden sich mindestens 49 weiterhin im Gefängnis. Damit liegt die Liste der politischen Gefangenen auf 87, von denen 42 identifiziert wurden.
Im weiteren Verlauf des Artikels werden die Situation vieler Gefangener mit Foto und Beschreibung ihrer Verhaltung dargestellt:
Die Drehtür politischer Gefangener hält in Nicaragua weiterhin an
z.B.

Carlos Brenes Sánchez
Er ist 70 Jahre alt. Er ist ein ehemaliger Guerillakämpfer der Sandinista-Front. Er ist ein pensionierter Oberst der Armee, Gründer der Patriotischen Gruppe pensionierter Soldaten und war bereits zwischen 2018 und 2019 politischer Gefangener, eingesperrt in einer Strafzelle.
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