| 2. Nicaragua |
| Lesung in Freiburg: Im Rahmen des Tages der offenen Tür lädt das iz3w zur Lesung „Nicaragua: Kontinuitäten und Brüche – 50 Jahre sandinistische Revolution und internationale Solidarität“ am 4. Juli um 18 Uhr in der Kronenstr. 16A, Freiburg. Die Lesung verbindet Textpassagen vom neu erschienenen Buch „Sandinistische Revolution und internationale Solidarität“ mit Bildern, Videos und Hintergrundinformationen. Im Gespräch sind Klaus Heß mit den lokalen und internationalen Aktivist*innen Silvio Prado und Maria Teresa Blandon aus Nicaragua und Guntram Ehrlenspiel aus Freiburg (Wiwilí-Verein). Weitere Infos. Filmtour: Der Film „Monarca, de Norte a Sur“ wird im Spätsommer und Herbst in verschiedenen Städten Deutschlands gezeigt. Die Dokumentation begleitet zwölf nicaraguanische Musiker*innen im Exil in Costa Rica und zeigt, wie sie ihre Kunst als Quelle des politischen Widerstands nutzen. Bestätigte Termine: Krefeld (17.9.), Köln (18.9.), Groß-Gerau (24.9.), Jena (25.9.), Nürnberg (3.10.). Weitere Infos und Termine folgen. Zum Trailer. Politische Gefangene: Oppositionsaktivisten aus Nicaragua prangerten den Tod des Miskito-Aktivisten Brooklyn Rivera am 30. Mai an. Die nicaraguanische Regierung bestätigte am folgenden Tag seinen Tod in einem Krankenhaus in Managua und gab an, dass dieser auf Komplikationen im Zusammenhang mit Covid-19 zurückzuführen sei. Die Europäische Union brachte in einem Statement ihre Trauer über den Tod von Brooklyn Rivera zum Ausdruck, forderte eine gründliche Untersuchung der Haftbedingungen und sprach sich für die sofortige Freilassung aller anderen politischen Gefangenen im Land aus. Die nicaraguanische Regierung veröffentlichte in der Woche vor seinem Tod Fotos des seit 2023 inhaftierten Aktivisten. Dies geschah erst nach monatelangem Druck seitens der internationalen Gemeinschaft um einen Lebensbeweis. Die Regierung hatte bislang keine öffentliche Anklage gegen ihn erhoben, und zahlreiche Organisationen stuften ihn als politischen Gefangenen ein. Die Fotos zeigten einen stark abgemagerten 73-jährigen Rivera, der schwer erkrankt an ein Beatmungsgerät angeschlossen in einem Krankenhausbett lag. In einem offiziellen Statement hieß es, er leidete unter „multiplem Organversagen, Leberzirrhose und einer aktiven Lungeninfektion, die durch resistente Bakterien verursacht wurde.“ US-Beziehungen: Zwischen Januar 2025 und Juni 2026 hat die nicaraguanische Regierung mindestens 116 aus den USA abgeschobene Ausländer aufgenommen, obwohl bisher kein öffentliches Abkommen als Drittland wie in weiteren zentralamerikanischen Ländern besteht. Die Abgeschobenen stammen aus anderen lateinamerikanischen Ländern sowie aus Nigeria, dem Iran, Bangladesch und Indien. Die Daten stammen aus dem „Deportation Data Project“ der Universität Berkeley; es ist jedoch unklar, warum und auf welcher rechtlichen Grundlage diese Personen nach Nicaragua geschickt wurden. Die Recherchen zeigen, dass das Regime von Daniel Ortega und Rosario Murillo sie von Fall zu Fall aufnimmt, ohne dass es ein formelles Verfahren gibt. Menschenrechtsverletzungen: Die Gruppe der Menschenrechtsexperten zu Nicaragua (GHREN) hat einen neuen Bericht über die Repression der nicaraguanischen Regierung aus einer Gender-Perspektive veröffentlicht. Der Bericht deckt den tiefgreifenden Widerspruch zwischen dem offiziellen Diskurs, der die Gleichstellung der Geschlechter proklamiert, und der systematischen Unterdrückung regierungskritischer Frauen auf. Die GHREN stellte fest, dass die Regierung fast 300 Frauen- und LGBTIQ+-Organisationen geschlossen hat, die diesen Gruppen wichtige Räume und Dienstleistungen zur Verfügung gestellt hatten. Darüber hinaus umfassten Folter und Misshandlung in Haftanstalten eindeutige Formen sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, darunter auch Vergewaltigung. Hier zum Bericht auf Spanisch und Englisch. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verabschiedete eine Resolution zu Nicaragua, in der sie hre tiefe Besorgnis über die Verschlechterung der Menschenrechtslage und die systematische Aushöhlung der demokratischen Ordnung sowie über die politische Verfolgung und das Verschwindenlassen von regimekritischen Stimmen zum Ausdruck brachte. |
| 1. Regional |
| Filmvorführung in Aachen: Misereor organisiert im Rahmen der Filmreihe “Global Stories” eine Vorführung des Films “The Gospel of Revolution” vom belgischen Regisseur François-Xavier Drouet. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte der Befreiungstheologie in Lateinamerika anhand der Erfahrungen eines belgischen Pastors, der in der zentralamerikanischen Region kämpfte. Er zeigt unter anderem die Geschichten revolutionärer Bewegungen in Nicaragua und El Salvador. Der Film wird am 7. Juli um 18 Uhr im Apollo Kino (Pontstraße 141–149, Aachen) gezeigt. Hier zum Trailer. Online-Treffen zum Bildungsprojekt: Die Städtepartnerschaft Kreuzberg-San Rafael del Sur e.V. lädt zu einem ersten Online-Treffen für Kollektive, Soligruppen und Organisationen ein, deren Arbeit Bezug zu Mesoamerika hat. Die virtuellen Treffen sind Teil des Projekts „Mesoamérica Resiste: gegen Autokratien und für Solidarität“, mit dem Ziel, die Sichtbarkeit lokaler und transnationaler Widerstandskämpfe durch Bildungsaktivitäten in Berlin zu erhöhen sowie den Austausch zwischen Akteuren in Deutschland und Mesoamerika zu fördern. Weitere Infos und Anmeldung (Spanisch). Venezuela: Nach dem schweren Erdbeben in Venezuela, mit mehr als 1400 Todesopfer und über 50.000 vermissten Personen, drückten zentralamerikanische Regierungen ihre Solidarität aus. El Salvador, Guatemala und Costa Rica entsandten Rettungsteams und humanitäre Hilfe in die besonders betroffene Küstenregion des Landes. Die nicaraguanische Regierung bekundete ihre Solidarität und erklärte, sie stehe Venezuela „zur Verfügung“, hat jedoch bislang keine konkrete Hilfe in das südamerikanische Land geschickt. Menschenrechte: Die Weltorganisation gegen Folter (OMCT) hat im Rahmen ihres jährlichen Berichts zum Global Torture Index in drei mittelamerikanischen Ländern alarmierende Tendenzen festgestellt. Honduras wurde aufgrund der weit verbreiteten Misshandlungen durch Polizei und Militär bei Festnahmen sowie der kritischen Überbelegung der Gefängnisse als Land mit hohem Folterrisiko eingestuft. Hervorgehoben werden zudem die mehr als 1.000 Beschwerden über Misshandlungen, die im Zusammenhang mit dem über drei Jahre andauernden Ausnahmezustand registriert wurden, der im Januar 2026 offiziell endete. Sowohl Nicaragua als auch El Salvador wurden als Länder mit einem sehr hohen Folterrisiko eingestuft, da Gruppen von Menschenrechtsexperten zu dem Schluss gekommen sind, dass die Regierungen beider Länder in den letzten Jahren Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Die nicaraguanische Regierung reagierte auf die Proteste von 2018 mit einem harten Durchgreifen und einem darauf folgenden „schwerwiegenden und systematischen Muster von Folter“. Aussagen von Hunderten ehemaliger politischer Gefangener belegen sexuelle Gewalt, Elektroschocks und langanhaltende Isolation in nicaraguanischen Gefängnissen. Im Falle von El Salvador sind die nachgewiesene Inhaftierung von Zehntausenden unschuldiger Menschen ohne ordentliches Gerichtsverfahren während des andauernden Ausnahmezustands sowie die weit verbreitete Verfolgung politischer Gegner der Regierung für die OMCT besonders besorgniserregend. Öffentliche Meinung: Die von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) initiierte und von einem Zusammenschluss aus akademischen Einrichtungen und Meinungsforschungsinstituten in Lateinamerika durchgeführte Umfrage „AMLAT Radar 2026“ zeigt, wie die Bevölkerung in zehn lateinamerikanischen Ländern globale Mächte, darunter auch die Europäische Union, wahrnimmt. Guatemala und Costa Rica waren die einzigen zentralamerikanischen Länder, die in dieser regionalen Umfrage berücksichtigt wurden. Beim Vergleich der Meinungen zu den USA, China, Russland und Deutschland bewerteten rund 40 % der Befragten in Guatemala und Costa Rica Deutschland positiver als die anderen Optionen. Im europäischen Kontext wird Deutschland als das beste Entwicklungsmodell für lateinamerikanische Länder angesehen. Im Vergleich zu den USA und China ist Europa nach Meinung der befragten Lateinamerikaner führend in den Bereichen Menschenrechte, humanitäre Hilfe, Umweltschutz, Förderung des Weltfriedens, Einhaltung internationaler Verträge und Bekämpfung von Ungleichheit. Die militärische Unterstützung der Europäischen Union für die Ukraine wird positiv wahrgenommen, während ihr gleichgültiges Vorgehen angesichts der Zerstörung des Gazastreifens negativ bewertet wird. Hier zum Bericht auf Spanisch. |