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Berichte aus Matagalpa zur Bedrohung Oppositioneller

Wandinschrift in Matagalpa

Aus Matagalpa, der Partnerstadt Wuppertals erreichen uns immer wieder erschreckende Berichte über die anhaltende Bedrohung Oppositioneller. Aus den sozialen Medien hatte der Städtepartnerschaftsverein erfahren, daß ein Mitglied der Feuerwehr in Matagalpa durch die Drohung “Plomo” an seinem Haus eingeschüchtert werden sollte. Daraufhin schrieben der Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins, der Verantwortliche der hiesigen Feuerwehr und Oberbürgermeister Andreas Mucke gemeinsam einen Brief an den Bürgermeister von Matagalpa, Sadrach Zeledón, um ihre Besorgnis zum Ausdruck zu bringen.

Auch mit anderen Menschen und Organisationen in Matagalpa stehen wir nach wie vor in engem Kontakt, so mit Nelly Roque.
Vor einem Jahr am 15. März 2019 wurden 50 politische Gefangene als einseitige Maßnahme der Regierung aus den Haftanstalten entlassen und in den sogenannten “casa por carcel” Vollzug überführt, was bedeutete, daß ihre Familien sich verpflichten mußten, dafür zu sorgen, daß die Entlassenen keine neuen Straftaten begehen würden, also keinerlei Proteste mehr gegen die Regierung artikulieren oder organisieren würden, ein Maulkorb erster Güte. Unter den damals Entlassenen war auch Nelly, deren Lebensweg wir seit ihrer Verhaftung im Juni 2018 verfolgen. Zum Jahrestag ihrer Entlassung veröffentlichte Nelly am 5.3.2020 auf ihrer Facebookseite folgende Gedanken:

„Sie kamen im Morgengrauen des 15. März 2019 und riefen vier Namen auf: Solange Centeno, Yaritza Rostran, Johanna Delgado und Nelly Roque. Unglaublich, mein Name war darunter und klang in der Zelle nach. Sie sagten uns, wir sollen uns fertigmachen, da wir ins Gericht gebracht würden. Ich wollte nicht raus. Ich hatte Angst. Ich fühlte mich schuldig zu gehen und die anderen zurückzulassen. Ich war darauf vorbereitet gewesen, dass alle rauskommen würden, aber nicht ich. Adi war nicht auf der Liste gewesen. Sie kam auf mich zu und fragte, ob sie mich nicht verwechselt hätten und ob nicht eigentlich ihr Name auf der Liste stehen sollte. Ich wünschte mir, dass es so wäre. Ich wusste nicht, was ich ihr antworten sollte.
Wir wussten alle nicht, wie wir reagieren oder was wir davon halten sollten (es war ganz normal, dass sie uns in den frühen Morgenstunden aufriefen, um ins Gericht gebracht zu werden). Ich fragte die Beamtin, was uns im Gericht erwartete, denn eigentlich war kein Termin anberaumt.. Sie antwortete mir nur: Macht euch fertig!. Ich wollte unbedingt wissen, ob wir freikommen würden, sodass ich beharrlich blieb und sie weiter fragte, ob es nötig sei, unsere Sachen mitzunehmen. Sie antwortete mir: Nein! Wofür denn?! Zuerst haben wir ihr geantwortet, dass wir nicht gehen würden: Wenn nicht alle gemeinsam gehen würden, dann würde keine gehen. Die Mädels, die bleiben sollten, drängten uns zu gehen, um herauszufinden, was sie uns sagen würden. Sie sagten uns, dass wir hier drinnen nichts machen könnten, aber draußen hätten wir viel mehr Möglichkeiten etwas zu tun. Also sagten wir der Beamtin Bescheid, dass wir doch gehen würden.
Aus dem Wunsch heraus, mich nicht so schuldig zu fühlen, sagte ich der Beamtin, dass ich zwar zum Gericht gehen würde, aber dass ich bald zurück sein müsse, da ich an dem Tag mit Putzen dran war. Ich verabschiedete mich von Amaya, Adi, Karla und Jamileth mit dem Versprechen, dass ich zurückkehren würde, um meine Aufgabe zu erfüllen. Wir sind nie zum Gericht gebracht worden Sie haben uns zunächst zum Modelo Gefängnis gebracht. Sie haben mich auch nie freigelassen; meine Familie unterschrieb ein Papier, in dem stand, dass ich weiterhin Gefangene bleiben würde. Es ist heute genau ein Jahr her und ich fühle mich so, als ob ich diese Zelle nie verlassen hätte. Ein ganzes Jahr und sie haben mir meine Freiheit noch nicht zurückgegeben. Ein Jahr und wir leben wie Entführte…….“

Nelly Roque auf einer Demonstration

Zusammen mit Nelly wurde auch Yaritza Mairena im März 2019 entlassen. Sie schrieb für Confidencial zum Jahrestag folgenden Artikel, der sich nicht nur kritisch sondern auch anklagend mit den Verhandlungen der Alianza Civica mit dem Regime auseinandersetzt und entsprechend skeptisch die Bildung der “Gran Coalición” im Februar 2020 kommentiert: Hier