.
Menü Schließen

Info Runder Tisch Zentralamerika zu Mai 2026

Infos zu Zentralamerika 31.5.2026

5. Nicaragua
Politische Gefangene: Die nicaraguanische Regierung veröffentlichte Ende Mai Fotos des seit 2023 inhaftierten indigenen Miskito-Aktivisten Brooklyn Rivera. Dies geschah nach monatelangem Druck seitens der internationalen Gemeinschaft um einen Lebensbeweis für den indigenen Aktivisten. Die Regierung hat bislang keine öffentliche Anklage gegen ihn erhoben, die seine Inhaftierung rechtfertigen würde, und zahlreiche Organisationen stufen ihn als politischen Gefangenen ein. Die Fotos zeigen einen stark abgemagerten 73-jährigen Rivera, der schwer erkrankt an ein Beatmungsgerät angeschlossen in einem Krankenhausbett liegt. In einem offiziellen Statement heißt es, er leide unter „multiplem Organversagen, Leberzirrhose und einer aktiven Lungeninfektion, die durch resistente Bakterien verursacht wurde“.

Das US-Büro für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre forderte über das soziale Netzwerk X (ehemals Twitter) die sofortige Freilassung von Rivera und den anderen politischen Gefangenen in den Gefängnissen Nicaraguas. „Diese Unterdrückung, Gewalt und Unmenschlichkeit sind abscheulich“, heißt es in dem Beitrag.


Internationale Beziehungen: Russland hat im Mai ein im September 2025 unterzeichnetes Abkommen über militärische Zusammenarbeit mit Nicaragua ratifiziert. Das Abkommen sieht eine Ausweitung der Zusammenarbeit in den Bereichen Truppenausbildung, Informationsaustausch und gemeinsame Schulungen im Kampf gegen den Terrorismus vor. Eine der Klauseln gewährt russischem Personal „besonderen Rechtsschutz“ und schützt es damit vor Strafverfolgung. Analysten sind der Ansicht, dass Nicaragua im Gegenzug geopolitische Unterstützung erhält, zu einer Zeit, in der andere mit Nicaragua verbündete Länder in der Region, wie Kuba und Venezuela, unter direktem Angriff der USA stehen.


Kultur: Die Real Academia Española, die wichtigste Institution für die sprachliche Standardisierung im spanischsprachigen Raum, wählte den nicaraguanischen Schriftsteller und Journalisten Sergio Ramírez als neuestes ihrer 46 Mitglieder. Die 46 Sitze sind nach den Groß- und Kleinbuchstaben des Alphabets benannt, und der von Sergio Ramírez entspricht dem L. Dieser Sitz gehörte bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr dem Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa. Einen Sitz können nur spanische Staatsbürger*innen mit Wohnsitz in Spanien bestetzen. In einem Interview mit El País bezeichnet Ramírez es als „paradox“, dass es das Exil ist, das ihn in das europäische Land geführt hat und ihn somit für diese prestigeträchtige Position qualifiziert.
1. Regional
Dokumentarfilm: Mitgliedsorganisationen des Runden Tisch Zentralamerika organisieren Vorführungen des Filmes The Gospel of Revolution vom belgischen Regisseur François-Xavier Drouet. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte der Befreiungstheologie in Lateinamerika anhand der Erfahrungen eines belgischen Pastors, der in der zentralamerikanischen Region kämpfte. Er zeigt unter anderem die Geschichten revolutionärer Bewegungen in Nicaragua und El Salvador. Der Film wird in München am 10. Juni vom Ökumenischen Büro München und Münster am 2. Juni von der Romero Initiative gezeigt. Hier zum Trailer.

Klima: Im Mai war Mittelamerika von einer Hitzewelle betroffen. HondurasNicaraguaGuatemala und El Salvador meldeten extreme Temperaturen von über 40 °C. Für alle vier Länder handelte es sich um historische Hitzerekorde. In der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa wurde Ende Mai aufgrund einer durch die Hitzewelle verursachten Dürre der Wassernotstand ausgerufen. Experten befürchten, dass sich das Problem in der Region des trockenen Korridors in Mittelamerika ab Juli durch das prognostizierte El-Niño-Phänomen verschärfen wird, welches die Niederschlagsmuster und Temperaturen verändert. Die Beobachtungsstelle Observatorio de Recursos Naturales de Centroamérica warnte zudem vor einer Zunahme von Waldbränden in Guatemala, Nicaragua und Honduras, was die Anfälligkeit der Region für die Auswirkungen der Klimakrise weiter verschärft.

Pressefreiheit: Die USA haben ohne Vorwarnung die Visa mehrerer Vorstandsmitglieder der Zeitung „La Nación“, einer der führenden Medienorganisationen Costa Ricas, widerrufen. In einer Erklärung teilte die Zeitung mit, dass die betroffenen Mitglieder erst durch Berichte in regierungsnahen Medien erfahren hätten, dass ihnen ihre Visa entzogen worden seien. Sowohl Redaktionsmitglieder als auch internationale Organisationen zur Verteidigung der Pressefreiheit warnen, dass diese Maßnahme als „Strafe“ für ihre kritische Berichterstattung über Rodrigo Chaves gedacht sei, einen immer engeren Verbündeten des US-Präsidenten Trump. Das US-Außenministerium gab bisher keine offizielle Erklärung für die Entscheidung ab.

Um unsere Arbeit gut machen zu können, sind wir auf eure Spenden angewiesen. Wenn euch das Infobüro oder unsere Partnerorganisationen am Herzen liegen und ihr die Möglichkeiten habt, unterstützt uns gerne mit einer Spende. Zum Spendenformular

X