Nicaragua: Lässt die Regierung Oppositionelle im Exil verfolgen? | amerika21
27.11.2025 america 21 von Katharina Hempfing
Regierung soll hinter Morden in Costa Rica und Honduras stecken. NGO Nunca Más geht von mindestens neun Fällen aus
San José. Das Menschenrechtskollektiv Colectivo de Derechos Humanos Nicaragua Nunca Más, kurz Nunca Más, hat in San José einen Bericht vorgestellt, der Morde an nicaraguanischen Exilierten zwischen 2020 und 2025 in Costa Rica und Honduras dokumentiert. Die Organisation vertritt die These, dass diese Verbrechen im Zusammenhang mit einer grenzüberschreitenden Verfolgung durch staatliche Akteure Nicaraguas stehen könnten.
In dem Bericht werden neun Fälle als mutmaßliche politische Hinrichtungen bezeichnet. In Costa Rica sind vier Exilierte getötet worden, in Honduras drei. Zwei weitere Opfer, Joao Maldonado und Nadia Robleto, überlebten einen bewaffneten Angriff am 10. Januar 2024 in San José. Sie flohen daraufhin in ein Drittland.
Nach Einschätzung von Nunca Más stehen diese Taten im Zusammenhang mit einer seit 2018 anhaltenden grenzüberschreitenden Verfolgung von Oppositionellen im Exil. Gemeinsam ist den Opfern nach Angaben des Kollektivs, dass sie Geflüchtete oder Asylsuchende waren, keine Hinweise auf Beteiligung an kriminellen Aktivitäten zeigten und durch gezielte Schüsse getötet wurden. Die Organisation sieht darin ein Muster, bei dem die Repression nicht mit der Ausreise ende, sondern sich auch in den Aufnahmeländern fortsetze.
Zu den namentlich genannten Opfern zählen Santiago Rivera Müller, Gerardo de Jesús Gutiérrez, bekannt als Comandante El Flaco, und Roberto Samcam, pensionierter Major der nicaraguanischen Armee. Müller und Gutiérrez wurden beide im honduranischen Departamento El Paraíso erschossen, Samcam in seiner Wohnung in der Provinz San José in Costa Rica.
Nunca Más fordert zudem vier weitere ungeklärte Todesfälle nicaraguanischer Exilierter in Costa Rica als möglicherweise politisch motiviert zu untersuchen. Dazu zählen der Tod des 26 Jahre alten Giancarlos Díaz Sevilla, der im August 2018 wenige Wochen nach seiner Ankunft in Costa Rica auf einem Fußballfeld erschossen wurde, sowie der Fall von Rubén Amado Loáisiga Rodríguez, der im August 2019 nahe der Grenze zu Nicaragua getötet wurde. Nach Angaben der Zeitung vermuteten costa-ricanische Behörden eine Beteiligung nicaraguanischer Sicherheitskräfte.
Nunca Más erklärte, in den vier Fällen seien Personen betroffen, die Asyl beantragt hätten, während gleichzeitig keine gründlichen Ermittlungen durch die zuständigen Behörden dokumentiert seien. Die Familien der Betroffenen sollen zudem von politischen Hintergründen berichtet haben.
Am 30. Oktober 2025 warnte der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) in Genf, dass es zunehmend Hinweise darauf gebe, dass die nicaraguanische Regierung auch außerhalb des Landes Menschenrechtsverletzungen begehe. Das Expert:innengremium forderte die internationale Gemeinschaft dringend auf, die Regierung Nicaraguas für diese transnationalen Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen und exilierte Nicaraguaner:innen besser zu schützen.