Bianca Blei, 24.11.2025
Dora María Téllez führte vor fast 50 Jahren an der Seite des jetzigen Diktators Daniel Ortega die Revolution. Mittlerweile ist sie Staatsfeindin, glaubt aber, dass die Tage des Regimes gezählt sind
605 Tage waren es, die Dora María Téllez in Isolationshaft verbrachte. Mehr als 20 Monate ließ der nicaraguanische Diktator Daniel Ortega die Oppositionsführerin unter menschenrechtswidrigen Bedingungen einsperren. Am 9. Februar ließ er sie überraschend frei, ließ sie in ein Flugzeug verfrachten und in die USA ausfliegen. Mitnehmen konnte Téllez nur die Kleidung, die sie am Leib trug. Ihr Name wurde aus den Standesamtsarchiven des Landes gelöscht, ihre Pension gestrichen. Die Staatsbürgerschaft wurde ihr aberkannt. So als hätte die heute 70-Jährige nie existiert.
Dabei hatten die beiden gemeinsam in den 70er-Jahren bis in die 90er-Jahre in der Revolution gekämpft und auch anschließend in einer Regierung zusammengearbeitet. „Doch unsere Wege haben sich getrennt und sind schließlich frontal aufeinandergetroffen“, erzählt die Oppositionelle in Wien dem STANDARD. Sie glaubt, dass die Tage des Regimes auslaufen, fühlt sich aber selbst im Ausland nicht vor dem langen Arm der Diktatur sicher.
weiter siehe: Oppositionsführerin spricht von „neuer Phase des Terrors“ in Nicaragua – Nicaragua – derStandard.at › International
STANDARD: Wie lange kann die Diktatur das noch durchhalten?
Téllez: Nicht mehr lange. Alles hängt an der Person Daniel Ortega. Und er baut körperlich und geistig ab. Murillo hat einfach nicht diese politische Macht, um das System zu erhalten. Es fehlt ihr der Rückhalt in der Partei. Das ist auch der Unterschied einer Familiendiktatur zu einer Militärdiktatur. Bei einer Militärdiktatur sind personelle Änderungen möglich, alles hängt am Militärapparat an sich. Doch dass Ortega auf diese familiären Strukturen gesetzt hat, ist auch die Schwäche des Regimes. Und im Dezember muss US-Präsident Donald Trump entscheiden, wie es mit dem Freihandelsabkommen mit Nicaragua weitergeht. Ein Bericht der Handelskammer, deren Untersuchung noch unter Joe Biden begonnen wurde, empfiehlt eine Aufkündigung des Abkommens oder 100-prozentige Zölle. Beides würde dem Regime schaden.
weiter siehe: Oppositionsführerin spricht von „neuer Phase des Terrors“ in Nicaragua – Nicaragua – derStandard.at › International