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Haftbefehl gegen den Schriftsteller und ehemaligen Vizepräsidenten Sergio Ramírez

Haftbefehl gegen den Schriftsteller und ehemaligen Vizepräsidenten Sergio Ramirez – ein Artikel in der NZZ

Zahlreiche Regierungskritiker sind in den letzten Monaten in Nicaragua verhaftet worden.

09.09.2021, NZZ

(dpa)

Nicaraguas Staatsanwaltschaft hat gegen den renommierten Schriftsteller, Menschenrechtler und früheren Vizepräsidenten Sergio Ramírez einen Haftbefehl beantragt. Ihm wird Anstiftung zu Hass und Gewalt vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte. Seit Monaten geht die Justiz in Nicaragua gegen die Opposition und andere Regierungskritiker vor. Mit Ramírez ist zum wiederholten Male ein früherer Mitstreiter des autoritären Präsidenten Daniel Ortega betroffen.

Dem ehemaligen Stellvertreter des Präsidenten werde auch vorgeworfen, Geld von der Stiftung Violeta Barrios de Chamorro erhalten zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Das Geld soll demnach an Personen und Organisationen geflossen sein, die das mittelamerikanische Land wirtschaftlich und sozial zu destabilisieren versuchten.

Gegen die Journalismus-Stiftung, die nach einer früheren Präsidentin benannt ist, wird seit Monaten unter anderem wegen des Vorwurfs der Geldwäsche ermittelt. Die ehemalige Stiftungschefin Cristiana Chamorro, Tochter der Ex-Präsidentin und Bewerberin um die Spitzenkandidatur einer Oppositionspartei bei der Präsidentenwahl am 7. November, steht seit Anfang Juni unter Hausarrest. Seitdem wurden mehr als 30 Regierungskritiker verhaftet, darunter sechs weitere Präsidentschaftsbewerber und eine Vizepräsidentschafts-Kandidatin.

Ramírez war nach dem Sturz des Diktators Anastasio Somoza durch die linken Sandinisten im Jahr 1979 zunächst Mitglied der Regierungsjunta in Nicaragua gewesen und von 1985 bis 1990 unter Ortega Vizepräsident. Der heute 75-jährige Ortega verlor die Wahl 1990 gegen Violeta Barrios de Chamorro, regiert seit 2007 aber erneut.

Zu Ramírez‘ literarischem Werk gehört der Roman «Maskentanz». Im Jahr 2017 erhielt er den renommierten spanischen Cervantes-Literaturpreis. Mit Ortega hat sich der 79-Jährige überworfen. In Interviews nannte er ihn zuletzt einen Diktator und die bevorstehende Wahl eine Farce, die nur dazu diene, Ortega an der Macht zu halten.

ebenso: https://taz.de/Haftbefehl-gegen-Sergio-Ramirez/!5799807/

DECLARACIÓN DE SERGIO RAMÍREZ

         La dictadura de la familia Ortega me ha acusado a través de su propia fiscalía, y ante sus propios jueces, de los mismos delitos de incitación al odio y la violencia, menoscabo de la integridad nacional, y otros que no he tenido tiempo de leer, acusaciones por las que se encuentran presos en las mazmorras de la misma familia muchos nicaragüenses dignos y valientes.
No es la primera vez que ocurre en mi vida. En el año de 1977 la familia Somoza me acusó por medio de su propia fiscalía, y ante sus propios jueces, de delitos parecidos a los de ahora: terrorismo, asociación ilícita para delinquir, y atentar contra el orden y la paz, cuando yo luchaba contra esa dictadura igual que lucho ahora contra esta otra.
Las dictaduras carecen de imaginación y repiten sus mentiras, su saña, su odio, y sus caprichos. Son los mismos delirios, el mismo empecinamiento ciego por el poder, y la misma mediocridad de quienes teniendo en su puño los instrumentos represivos, y habiéndose despojado de todos los escrúpulos, creen también que son dueños de la dignidad, de la conciencia y la libertad de los demás.
Como anuncian que van a allanar mi casa, lo que van a hallar es una casa llena de libros. Los libros de un escritor. Los libros de toda mi vida.
Soy un escritor comprometido con la democracia y con la libertad, y no cejaré en este empeño desde donde me encuentre. Mi obra literaria de años es la obra de un hombre libre.
Las únicas armas que poseo son las palabras, y nunca me impondrán el silencio.

ERKLÄRUNG VON SERGIO RAMIREZ

         Die Diktatur der Ortega-Familie hat mich durch ihre eigene Staatsanwaltschaft und vor ihren eigenen Richtern derselben Verbrechen beschuldigt, nämlich der Aufstachelung zu Hass und Gewalt, der Untergrabung der nationalen Integrität und anderer Verbrechen, die zu lesen ich keine Zeit hatte, und für die viele würdige und mutige Nicaraguaner in den Kerkern derselben Familie eingesperrt sind.
Dies ist nicht das erste Mal, dass dies in meinem Leben passiert. 1977 beschuldigte mich die Familie Somoza über ihre eigene Staatsanwaltschaft und vor ihren eigenen Richtern ähnlicher Verbrechen wie heute: Terrorismus, unerlaubte Vereinigung zur Begehung eines Verbrechens und Bedrohung von Ordnung und Frieden, als ich gegen diese Diktatur kämpfte, so wie ich jetzt gegen diese andere kämpfe.
Diktaturen sind fantasielos und wiederholen ihre Lügen, ihre Bösartigkeit, ihren Hass und ihre Launen. Es sind dieselben Wahnvorstellungen, dieselbe blinde Sturheit nach Macht und dieselbe Mittelmäßigkeit derer, die, nachdem sie die Instrumente der Unterdrückung in der Hand haben und sich aller Skrupel entledigt haben, auch noch glauben, sie seien Herren über die Würde, das Gewissen und die Freiheit der anderen.
Als sie ankündigen, dass sie mein Haus durchsuchen werden, werden sie ein Haus voller Bücher vorfinden. Die Bücher eines Schriftstellers. Die Bücher meines ganzen Lebens.
Ich bin ein Schriftsteller, der sich für Demokratie und Freiheit einsetzt, und ich werde in diesem Bemühen nicht nachlassen, egal wo ich bin. Mein literarisches Werk, das ich im Laufe der Jahre geschaffen habe, ist das Werk eines freien Menschen.
Die einzigen Waffen, die ich habe, sind Worte, und sie werden mir niemals das Schweigen aufzwingen.