Oktober 2026 – Informationen des Runden Tisches zu Zentralamerika
Nicaragua
| Buchvorstellung in Hamburg: Am 12. November lädt rojito e.V. in Kooperation mit dem Informationsbüro Nicaragua zur Lesung des Buches „Sandinistische Revolution und internationale Solidarität – Kontinuitäten und Brüche einer fünfzigjährigen Beziehung“. In der Veranstaltung verbinden sich gelesene Textteile des Buches mit Fotos, Videos mit Stellungnahmen aus Nicaragua und einem Gespräch zwischen Elba Rivera, exilierte Nicaraguanerin, und Klaus Heß vom Informationsbüro Nicaragua (Wuppertal) mit dem Publikum. Die Lesung findet um 19 Uhr im Stadtteilzentrum Kölibri (Hein-Köllisch-Platz 11, 20359 Hamburg) statt. Weitere Infos. Autoritarismus: Der von der Regierungspartei dominierte nicaraguanische Kongress verabschiedete am 22. Oktober die zweite Verfassungsreform innerhalb weniger als eines Jahres, um die Struktur der Exekutive grundlegend zu verändern. Die Reform schafft das Amt des Vizepräsidenten der Republik ab und führt stattdessen das Amt der „designado presidencial“ (vom Präsidenten ernannten Personen) ein. Die Maßnahme wurde von der Opposition kritisiert, die darin den Versuch einer „dynastischen Nachfolge“ sieht. Der Wortlaut der Reform legt weder fest, wie viele solcher Personen ernannt werden können, noch definiert er deren Befugnisse: sie werden direkt vom Präsidentschaftspaar bestimmt. Darüber hinaus verabschiedete der Kongress Anfang September eine Verfassungsreform, die Oppositionsparteien die Teilnahme an Wahlen untersagt und die Amtszeit des Präsidenten von sechs auf sieben Jahre verlängert. Damit die zwei Reformen in Kraft treten können, müssen sie von einer zweiten Legislaturperiode bestätigt werden, was voraussichtlich im Januar des kommenden Jahres geschehen wird. Exil: Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) nahm im September sieben bekannte Kritiker der nicaraguanischen Regierung fest. Sechs von ihnen gehörten zur Gruppe von 222 Oppositionellen, die im Februar 2023 aus nicaraguanischen Gefängnissen freigelassen, ins Exil geschickt und ihrer Staatsbürgerschaft beraubt worden waren. Bisher wurde nur einer der sechs, Marvin Castellón Ubilla, wieder auf freien Fuß gesetzt, während sich die anderen fünf weiterhin in Haft befinden. Der Journalist Luis Galeano, der zwar nicht zu dieser Gruppe gehörte, aber ebenfalls im September von der ICE festgenommen worden war, konnte nach einer Woche Haft ebenfalls freikommen und erhielt von der US-Regierung politisches Asyl. Im Oktober verlieh die spanische Regierung 46 exilierten Nicaraguaner*innen, denen die Staatsangehörigkeit entzogen worden war, die spanische Staatsangehörigkeit. Unter den neu eingebürgerten Spanier*innen befinden sich Bauernführer*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen, Aktivist*innen und drei de facto staatenlose Journalist*innen. Menschenrechtspreis: Das Washington Office on Latin America (WOLA) verlieh seinen Menschenrechtspreis 2026 an die Fundación del Río. Diese nicaraguanische Organisation setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz der natürlichen Ressourcen des Landes ein und unterstützt indigene und afro-stämmige Gemeinschaften, die den Schutz ihrer Gebiete fordern. Hervorgehoben wird ihr Mut „unter einer der verschlossensten und repressivsten Regierungen unserer Hemisphäre, trotz Exil, Zensur und staatlicher Schikanen“. Die Preisverleihung fand am 28. Oktober 2026 statt und wurde von einer Keynote-Rede des guatemaltekischen Autors Francisco Goldman angestoßen. Transparenz: Zwei Jahre nach der letzten Volkszählung hat das Nationale Institut für Entwicklungsinformation (INIDE) die Ergebnisse noch immer nicht veröffentlicht. Die letzte nationale Volkszählung, deren Ergebnisse veröffentlicht wurden, stammt aus dem Jahr 2005. Von Divergentes befragte Expert*innen erklären, dass dieser Mangel an Informationen die Fähigkeit des Staates einschränkt, politische Maßnahmen auf der Grundlage aktueller Daten über eine Bevölkerung zu entwickeln, die insbesondere in den letzten acht Jahren tiefgreifende Veränderungen erleben musste. |
| REGIONAL |
| Filmvorführung in Berlin: Am 23. November laden die Lateinamerika Nachrichten in Berlin zur Vorführung des Filmes “The Gospel of Revolution” vom belgischen Regisseur François-Xavier Drouet. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte der Befreiungstheologie in Lateinamerika anhand der Erfahrungen eines belgischen Pastors, der in der zentralamerikanischen Region kämpfte. Er zeigt unter anderem die Geschichten revolutionärer Bewegungen in Nicaragua und El Salvador. Die anschließende Diskussion widmet sich der neuen Dominanz der evangelikalen Kirchen in ehemaligen Hochburgen der Befreiungstheologie sowie ihrer Beziehung zum Vormarsch der neuen autoritären Rechten in Lateinamerika am Beispiel Brasilien. Die Veranstaltung findet um 19 Uhr in der Regenbogenfabrik (Lausitzer Str. 22, 10999 Berlin) statt. Weitere Infos. Intervention in Haiti: Nach dem Verschwinden von vier salvadorianischen Soldaten während einer multinationalen Militärmission in Haiti am 18. Oktober erklärte der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, die Entsendung eines Militärkontingents, um sie zu retten. Wenige Tage später soll ein Suchteam laut einem Bericht der New York Times stark verkohlte Leichen gefunden haben. Das Team kündigte eine Untersuchung an, um deren Identität zu bestimmen, da es sich möglicherweise um die besagten Soldaten handeln könnte. Präsident Bukele erklärte jedoch in den sozialen Medien, dass Quellen aus dem Umfeld der Mission ausgeschlossen hätten, dass es sich um eben diese Soldaten handele. Als Reaktion darauf kündigte er die Entsendung weiterer Truppen zur Verstärkung der Mission an. Bis dato befinden sich nach Angaben von Sicherheitsbeamten in Haiti ca. 2.000 salvadorianische Soldaten im Land Die vier verschwundenen Soldaten befanden sich als Teil einer Mission der Gang Suppression Force (GSF, Einheit zur Bekämpfung von Banden), einer von der UN autorisierten multinationalen militärischen Mission, in Haiti. Bis zum Jahr 2026 wurden 1.398 Soldaten in Haiti stationiert, darunter 150 Guatemalteken und 78 Salvadorianer. Klimakrise: Die Effekte des aktuellen El-Niño-Phänomens sind für die Bevölkerung des zentralamerikanischen „Corredor Seco“ bereits spürbar. Mehr als 10 Millionen Menschen leben in diesem Streifen, der sich über Teile von Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica ausbreitet. Honduras, Guatemala, El Salvador und Panama haben Alarmzustände und den nationalen Notstand ausgerufen, um dieses Phänomen zu bewältigen. In Panama hat die Dürre zu einem Rückgang des Schiffsverkehrs durch den Panamakanal geführt. Laut einer aktuellen Analyse der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) besteht in einigen Landwirtschafts- und Weidegebieten Mittelamerikas und der Karibik eine Wahrscheinlichkeit von über 70%, dass es in den kommenden Monaten zu starken Dürren kommen wird. Transnationale Repression: Reinaldo Picado Miranda, ehemaliges Mitglied der nicaraguanischen Contra und Oppositionspolitiker, wurde am 14. September in San José von Unbekannten angeschossen. Picado Miranda hält sich derzeit als Flüchtling in Costa Rica auf, während Managua seine Auslieferung beantragt, da er des Mordes an einer Polizistin und einem Zivilisten beschuldigt wird. In einem Statement auf sozialen Medien erklärt die Menschenrechtsorganisation Nicaragua Nunca Más, dass es sich um einen Akt transnationaler Repression handelt. Die Organisation hat mehr als 200 Fälle von Überwachung, Schikanierung, Drohungen und körperlicher Gewalt dokumentiert, wie im Fall von Picado. |