TAZ 16.11.2025 – Knut Henkel
Sadie Tamara Rivas wartet täglich auf Nachrichten aus dem Knast. Dort wird ihr Vater Aníbal Rivas Reed seit Monaten festgehalten und die Familie macht sich Sorgen über den Gesundheitszustand des 61-Jährigen. Im Mai wurde er zu einer 50-jährigen Haftstrafe wegen „Verrats am Vaterland“ verurteilt und im Hochsicherheitsgefängnis La Modelo in Managua weggeschlossen.
Von dort dringen selten Informationen nach außen, unstrittig ist jedoch, dass die Bedingungen in den Haftanstalten inhuman sind. Das haben entlassene Häftlinge immer wieder berichtet und internationale Menschenrechtsorganisationen kritisiert.
Zu Recht, wie sich am 7. November zeigte. Da wurden vier politische Gefangene in Nicaragua in miesem Gesundheitszustand entlassen. Darunter der Journalist Leo Catalino Cárcamo Herrera und der Anwalt Julio Antonio Quintana Carvajal – beide aus León. Der dritte Mann heißt Fabio Alberto Cáceres Larios und der vierte ist ein ehemaliger Militäroffizier, so Jan-Michael Simon. Der 58-jährige Jurist ist Vorsitzender der UN-Expertengruppe zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua, die sowohl ermittelt als auch regelmäßig berichtet.
Simon selbst forscht am Freiburger Max-Planck-Institut zu Kriminalität, Sicherheit und Recht und hat erfahren, dass einer der vier entlassenen Häftlinge in einem lebensbedrohlichen, Gesundheitszustand entlassen worden sei. Detaillierte Informationen aus Nicaragua sind oft nur über persönliche Kontakte zu bekommen, weil es investigative, kritische Redaktionen wie Confidencial in Managua und anderen Teilen Nicaraguas nicht mehr gibt. 2021 ist die Redaktion von Confidencial um Herausgeber Carlos Fernando Chamorro nach Costa Rica umgezogen und informiert aus San José über Nicaragua und die Länder der Region.
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