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Lesereise „50 Jahre Kontinuitäten und Brüche“

Mit der Veröffentlichung des Nahua Scriptes 20 haben wir eine Lesereise gestartet, die die Themen des Buches in unterschiedlichen Formaten, an unterschiedlichen Orten und mit unterschiedlichen Kooperationspartner*innen aufgreifen soll.

Unten einige erste Berichte von stattgefundenen Veranstaltungen. Sprecht uns an, falls Ihr Interesse habt uns einzuladen und mit uns oder den Autor*innen des Buches zu diskutieren.


Multimediale Veranstaltungen in Freiburg und Bochum

Bei zwei multimedialen Lesungen -in Bochum und Freiburg- wurde das Buch „Sandinistische Revolution und internationale Solidarität – Kontinuitäten und Brüche einer fünfzigjährigen Beziehung“ vorgestellt. Die Lesungen verbanden Textpassagen mit Bildern, Videos und Hintergrundinformationen. Sie richteten sich an Interessierte an internationalistischer Solidarität, auch an jüngere Menschen, die die Ereignisse der 1980er-Jahre selbst nicht erlebt haben und aus der Geschichte von Nicaragua für zukünftige Emanzipationsprozesse  lernen möchten. Die Lesung war in drei Blöcke geteilt: 1. Was waren die Motive zum Ausgangspunkt der Revolution und der Solidarität. 2. Was haben Revolutiin und Solidarität erreicht, wie sind sie heute zu bewerten? Und 3. Was bleibt, was können wir daraus lernen, wie muß Solidarität heute aussehen? Die drei Blöcke bestanden aus gelesenen Textteilen des Buches, Videoausschnitten mit Aussagen von Silvio Prado und Maria Teresa Blandon aus Nicaragua und einem Gespräch mit dem Publikum.

Freiburg am 4. Juli 2026 im iz3w

In Freiburg fand die Lesung als Abschluß des Tags der offenen (iz3w)-Tür am 4. Juli statt, bei dem den ca 50 Besucher*innen ein Bücherflohmarktstatt, Kuchen- und Snackbuffet, DIY-Collageworkshop und Hausführungen geboten wurden. Jeder Leseblock wurde abgerundet durch ein Gespräch mit Klaus Heß vom Infobüro Nicaragua und Guntram Ehrlenspiel aus Freiburg (Wiwilí-Verein). Dadurch konnten jeweils internationale Verläufe mit den Entwicklungsdynamiken eines lokalen Partnerschaftsvereins verbunden werden.

Die Diskussion mit dem Publikum drehte sich um die Fragen, welche Bedeutung die zerstrittene Opposition für die Zukunft Nicaraguas haben kann, zumal sie im Land keine Wirkung entfalten kann. Angemerkt wurde auch dass es vielen Nicaraguaner*innen heute besser gehe als vorher, warum sollten sie sich wehren? Kritisch wurden auch die Perspektiven der Solidarität diskutiert: Soll der Städtepartnerschaftsverein seine Wasserprojekte aufgeben, zumal sie nicht mit der Regierung durchgeführt werden?

Eine Teilnehmerin die lange in Nicaragua gelebt hatte stellte die Frage worin genau der Antiimperialismus bestanden hatte. An der historischen Solidarität sei zu kritisieren dass sie vielmals zu affirmativ an der sandinistischen Regierungspartei orientiert gewesen sei, heute hingegen fixiere sie sich auf die globalen Menschenrechte ohne Rückkopplung mit den Menschen in Nicaragua und ihren Interessen.


Bochum am 21. Mai im Bahnhof Langendreher

Bei dieser Veranstaltung, die im gleichen Format durchgeführt wurde, wurden im Anschluß die nachfolgenden Aspekte diskutiert:

  • Motivation der Brigaden
  • Die Solibewegung im Spannungsfeld zwischen Basiskomitee der FSLN und eigenständiger politischer Bewegung
  • Wie konnte es erneut zu einer Diktatur kommen?
  • Haben wir auch etwas zum Entstehen der Diktatur beigetragen?
  • Unsere Rolle als Solibewegung heute

Traum oder Wirklichkeit? (Veranstaltung in Wuppertal am 15. März)

Der Wandel von einer emanzipatorisch partizipatorischen zu einer autoritär autokratischen Herrschaft
Nicaragua galt in den 1980er-Jahren als Beispiel einer gerechten Revolution. Nach dem Sturz einer Familiendiktatur nahm sie Alphabetisierung, Volksgesundheit und Landverteilung ernst und schuf zudem Grundlagen für eine partizipative Demokratie. Nach der Strangulierung durch wirtschaftliche Blockaden, militärische Interventionen sowie interne Verkrustungen und Fehlentscheidungen der Führung der Revolution folgte eine 16-jährige neoliberale Phase. Diese war zwar von Sozialabbau und Reprivatisierung geprägt, stellte jedoch eine demokratische Periode in der Geschichte des Landes dar. Seit 2006 regiert erneut Daniel Ortega. Sein Regime entwickelte sich zunehmend repressiv und schlug spätestens mit dem Aufstand von 2018 in eine offene Diktatur um. Nach einem Gespräch zwischen einem deutschen Solidaritätsaktivisten der 1980er-Jahre und einem jungen Nicaraguaner über die Brücke zwischen Träumen und Wirklichkeit (hier die erläuternden Folien zum Nachlesen) diskutierten die etwa 15 Teilnehmenden über aktuelle Herausforderungen der Solidaritätsarbeit mit Blick auf die repressiven Regime in der Welt und die Frage, auf welchem Wege emanzipatorische Bewegungen erfolgreich sein können.

Einer der beiden Powerpoint Vorträge hier


Veranstaltung der Universität Münster zu „NICARAGUA – Vom revolutionären Traum zum Autoritatismus“ am 19. und 21. Januar 2026

 Am 19.1. und 21. 1. 2026 nahmen am Sprachenzentrum der Uni Münster im Rahmen der Veranstaltungsreihe „ Brücken zum Dialog “  jeweils etwa 50 Student-Innen aus den Spanisch-Sprachkursen sowie aus anderen Fakultäten, ebenso Dozent*innen und Menschen aus der Soldaritätsbewegung an den zwei Dialog Vorträgen teil, bei denen ZeitzeugInnen von ihren Erfahrungen in den Zeiten der sandinistischen Revolution der 80iger Jahre und während des Volksaufstandes 2018 berichteten. Dabei wurden diese Zeitabschnitte jeweils von einer Person aus Nicaragua vorgestellt, die z.Z in Deutschland im Exil sind, und anschließend aus der Perspektive von Deutschen, die damals in Rahmen der Solidaritätsarbeit in Nicaragua arbeiteten. Hierbei wurde insbesondere der Bezug der Nicaragua Solidaritätsbewegung in Münster und die Hoffnungen, die die nicaraguanische Bevölkerung mit der sandinistischen Revolution verband erläutert. Die Darstellung der Ereignisse während des Volksaufstands von 2018, die mehrere Repressionswellen nach sich zog und für viele bedeutete ins Exil gehen zu müssen, konnte plastisch die starke Polarisation und sukzessive Eliminierung aller Bürger und -Menschenrechte vermitteln. In der anschließenden Diskussion wurden vor allem Fragen zu Möglichkeiten einer Transition zurück zu demokratischen Verhältnissen gestellt und die Problematik aus dem Exil in verschiedenen Ländern (Spanien, USA, Costa Rica etc) eine vereinigte Opposition zu bilden verdeutlicht. Dieses Format von Veranstaltungen mit ZeitzeugInnen hat sich als sehr produktiv und attraktiv erwiesen. Wir danken dem Sprachenzentrum der Universität Münster für die Initiative und den Vortragenden von NicaraguaImEXIL aus Hamburg für ihre anschaulichen Beiträge. NicaraguaImEXIL ist eine Gruppe von NicaraguanerInnen, die im Rahmen der Asylbeantragung in Hamburg leben und die sich zusammengeschlossen haben um hier in Deutschland ihre Interessen besser artikulieren zu können. Zusammen mit noch aktiven Soli-Gruppen versuchen sie  das Thema des Widerstandes der nicaraguanischen Bevölkerung im Land und im Exil gegen die Ortega Murillo Diktatur in der deutschen Öffentlichkeit präsent zu halten.

Wer in anderen Städten ähnliche Veranstaltungen organisieren will kann gerne beim Infobüro nach den Kontakten fragen.

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